Kritisches zum Thema "Schule":
Eine
kurze Aufzählung einzelner Beobachtungen aus dem Bereich Pädagogik
zeigt, wie es um
die „Bildungslandschaft Deutschland“ bestellt ist:
Beobachtbar
ist, dass:
(Bei dieser Quantität wundert’s nicht, wenn Stoffinhalte gekürzt oder gar nicht mehr unterrichtet werden. Angesichts solcher Engpässe dann im Fach „Welt- und Umweltkunde“ der Klasse 6 dem „Römischen Reich“ 4 Wochen zu widmen, aber 6 Wochen über die „Eskimos“ zu reden, zeugt von wenig Bemühungen, sich in der verbleibenden Zeit um Wesentliches zu kümmern.)
Beobachtbar
ist, dass:
(sachlich
falsche Arbeitsblätter, „Aufgabenstellungen“ ohne eigentliche Aufgabe
bzw. Frage – nein, nein, hierbei ging es nicht darum, das
Herausarbeiten
und Formulieren von Problemstellungen zu erlernen – , ungeeignete
Sach-Methodiken usw.)
Beobachtbar
ist, dass:
(Fachlehrer
haben es nicht nötig, in Schüler-Aufzeichnungen noch auf
Rechtschreibung oder Form zu achten, viele Lehrer erscheinen häufig zu spät
zu den Unterrichtsstunden, die Vorbildwirkung hat keine zentrale Bedeutung.)
Beobachtbar
ist, dass:
(Hausaufgaben
nur auf Vollständigkeit zu kontrollieren, ist nicht genug: Wenn das zur Erledigung
notwendige Wissen nur lückenhaft vorhanden sein sollte, dann kann man solche Lücken
durch Erläuterungen und Hilfestellungen auch zuhause mithelfen zu schließen.)
Beobachtbar
ist, dass:
(Wenn
– trotz gegenteilig lautender Richtlinien der Schulleitung – der
Klassenlehrer einem guten Schüler mitten im Schuljahr 1 Woche für eine
Urlaubsfahrt frei
gibt, andere Schüler aber den letzten Tag vor den Ferien natürlich nicht frei
nehmen dürfen, dann haben die Jugendlichen ein Problem mit dem Begriff
der Gerechtigkeit.
Wenn Lehrer zulassen, mit den Schülern über ihre Bewertungsrichtlinien - von beispielsweise
Klassenarbeiten - zu diskutieren, dann wird der Bock zum Gärtner gemacht.
Hier entstehen erneut Ungerechtigkeiten, weil jetzt eine Bewertung vom
Durchsetzungsvermögen in einer solchen Debatte abhängt. Andererseits
sind schon
solche Bewertungsmaßstäbe an’s Tageslicht gekommen, dass man sich fragt,
ob dabei überhaupt nachgedacht worden ist, diskutierende Jugendliche
also zurecht um
die Vernunft ihrer Lehrer kämpfen.)
Beobachtbar
ist, dass:
(Die Frage: „In welcher Klassenstufe wird wann in welchem Fach was unterrichtet?“, beantwortet jeder Lehrer für sich. Damit ist das Chaos vorprogrammiert: Da werden in Physik Maßeinheiten umgerechnet, ohne dass aus der Mathematik Dezimalbrüche bekannt wären. Da werden in Welt - u. Umweltkunde die Aggregatszustandsänderungen „kondensieren“ und „verdampfen“ im Wasserkreislauf behandelt, ohne dass die Physik vorher den Begriff „Aggregatzustand“ überhaupt eingeführt hätte. Da werden Temperaturdifferenzen in °C angegeben, statt in "grd". Da kommen in Chemie die Elemente an die Tagesordnung, ohne dass ein Schüler in Physik schon mal etwas von einem Atommodell gehört hat. Da werden elektromagnetische Felder besprochen, ohne dass je gesagt worden wäre, was die Physik unter dem Modell "Feld" denn versteht - geschweige denn, die Schüler wüssten, was ein Modell überhaupt ist...)
Beobachtbar
ist, dass:
(Solche
Zusammenhänge herzustellen, Lücken zu schließen, kann das Elternhaus ohne
Zweifel stark unterstützen. Dabei kann es aber nur bei „Unterstützung“
bleiben, denn den Schülern fehlt ein wesentlicher Aspekt: Sie haben „das Lernen“
nicht gelernt: Wie werden Aufzeichnungen in Merksätzen
zusammengefasst, und wie werden die Merksätze farbig markiert, um
sich in der Vorbereitung auf die nächste Klassenarbeit auf das wesentliche
konzentrieren zu können? Welche Möglichkeiten bietet das
Fach-Lehrbuch, Dinge
nachlesen zu können? Welche Techniken können angewandt werden, um
effizient Vokabeln zu lernen? In welcher Reihenfolge löst man die
Aufgaben in einer
„schweren“ Mathearbeit? Wie kann man Konzentrationsfähigkeit üben?
Usw.,usf.)
Beobachtbar
ist, dass:
(An
Elternabenden wird die Schule gefragt, ob neben den Fremdsprachen Englisch, Latein
und Französisch denn nicht auch Spanisch oder Griechisch gelehrt werden könne,
ohne zu wissen oder zu berücksichtigen, dass der eigene Nachwuchs in Deutsch, Mathe,
Physik, Chemie oder Bio mal eben zwischen 5 und 6 steht. Da wird die Schule
gefragt, was man denn allgemein zur Drogen-Prävention beigetragen habe,
ohne zu wissen oder auch nur zu ahnen, dass der eigene Nachwuchs den
letzten Holland-Trip
zur Vorbereitung der nächsten Party genutzt hat....)
Beobachtbar
ist, dass:
(Vielleicht
sollte man sich nicht jede Pause in’s Lehrerzimmer zurückziehen –
Unterrichtsvorbereitungen bleiben ja wenigstens dem vorangegangenen Nachmittag
(nicht den letzten 20 Jahren!) vorbehalten –
, sondern mit den Schülern mal wieder pro-aktiv in’s Gespräch kommen? Eine
Gelegenheit beweisen zu können, dass man Verständnis hat, zuhören
kann, an den Problemen der Kinder tatsächlich interessiert ist. Dann weiß man
auch, welcher Slang
gesprochen wird, wer wie auftritt, wer zu Gewalt oder Abhängigkeit usw.
neigt und was Thema ist bei den Kids.)
Beobachtbar
ist, dass:
(Wer
gegen Schimpfworte, vorlautes Auftreten oder verspieltes Träumen an der Grundschule
nichts sagt, braucht sich über Totenkopf-Tshirt, Drogen und mangelhafte
Leistungen am Gymnasium nicht mehr zu wundern. Da werden zwar Fremdsprachen ab
der 2.Klasse in Erwägung gezogen, aber bis zur 3.Klasse noch mehr Bildchen
gemalt als tatsächlich gelernt. In den Klassen 5, 6 oder 7 werden keine vernünftigen
fachlichen Grundlagen
gelegt, sondern Fragmente aneinandergereiht und wem da die Übersicht verloren
geht, wendet sich nun endgültig vom Lernen ab. Was resultiert, sind
Frust, Motivationsverlust und damit einhergehend soziale Auffälligkeit.
)
Wenn
man solche Beobachtungen zur Kenntnis nimmt, kann man
sich des Eindruckes nicht erwehren, dass die Ergebnisse der Pisa-Studie
folgerichtig sind und keinerlei Anlass zur Verwunderung bieten. Die sich sofort stellende Frage, was denn da nun zu machen sei, wird allerorten hektisch
und nervös, mit viel vordergründigem Aktionismus und sehr oberflächlich zu
beantworten versucht. Nachdem man die Kernaussagen der Studie durch
unterschiedlichste Interpretationen erfolgreich
zerredet hat, sind nunmehr selbst Gegen-Gutachten genau das richtige Mittel,
den aufgeschreckten Bürger zu beruhigen und notwendige Schlussfolgerungen –
ganz gleich, ob sie nun gezogen werden oder nicht – in ihrer Tragweite zu
minimieren. Die oben aufgezählten Beobachtungen machen deutlich, dass sich der
Bildungsnotstand in Deutschland als wesentlich dramatischer darstellt, als dies
der Öffentlichkeit bewusst werden soll. Auf diese Weise lassen sich
symptomatische Begebenheiten, die Eltern in ihrem Umfeld ähnlich den oben aufgezählten sicher
auch beobachten können, immer als angeblich bedeutungslose Einzelerscheinungen
darstellen und der notwendige Handlungsdruck kann so unterbunden werden.
Derlei
Tendenzen nicht nachzugeben, sollen
auch die folgenden Fragen dienen:
Frage:
Könnte
ein System bestehend aus Gremien von Fachberatern die offenbar dringend
erforderliche Kontrolle über das Unterrichts- und Lehr-Geschehen übernehmen?
Frage:
Kann
von Lehrern die selbstverständliche Bereitschaft zur Weiterbildung in den
Schulferien erwartet werden?
Frage:
Kann
landesweit der Übergang von einer Experimental-Pädagogik
hin zu einer systematischen Ausbildung und Erziehung organisiert werden?
Frage:
Hat
es Sinn, den Unterricht bindend mit Hilfe tatsächlich aufeinander abgestimmter
Lehrpläne durchzuführen?
Frage:
Ist
es möglich, die Schulen ausreichend mit von praxiserfahrenen Pädagogen
zertifiziertem und untereinander abgestimmtem Unterrichtsmaterial zu versorgen?
Frage:
Sollten
zu den vielerorts schon vorhandenen Internet-Anschlüssen in den Schulen
IT-Lehrer eingestellt werden, damit nicht nur „unbetreut gesurft“ wird?
Frage:
Kann
man an den Grundschulen das Fach „Lernen“ einführen?
Frage:
Ist
es sinnvoll, einen objekt-orientierten Unterricht zu geben, der fach-übergreifende
Zusammenhänge vermittelt?
Frage:
Kann
Lehrern eine den einschlägigen Rechtsbestimmungen entsprechende
Arbeitsdisziplin zugemutet werden?
Frage:
Ist
es möglich, die Eltern in regelmäßigem Abstand auch ungefragt über
schulische Leistungen, Lern-Bereitschaft und Gesamtverhalten ihrer Kinder durch
den Klassenlehrer zu informieren?
Frage:
Kann
durch mnd. halbjährliche Elternbesuche der Kontakt zwischen Lehrern und Eltern
verbessert werden?
Frage:
Gibt
das Schreiben von Klassenarbeiten nach
jedem behandelten Unterrichtsgebiet und das generelle Einführen unangekündigter
schriftlicher Kurzkontrollen den Schülern eine Möglichkeit, „verpatzte“
Leistungen zu kompensieren und dabei auch noch einzusehen, dass man nicht für
eine Klassenarbeit, nicht für die Schule, sondern für’s Leben lernt?
Auch wenn es hier wie überall keine Patentrezepte gibt, so verdeutlicht doch die hohe Zahl der vielerorts gestellten Fragen eine Fülle von Ideen, für die man sich wünschen möchte, von den „Experten“ nicht nur müde belächelt, sondern vielleicht auch mal für voll genommen und ernsthaft analysiert zu werden. Anderenfalls beweist dieses Bildungssystem das, was keinem jungen Menschen zu wünschen ist: Sturheit und Arroganz.